Kriegskinder – verlängert bis zum 12. November

Eine Spurensuche zu der Kindheit der Eltern in Kriegs- und Nachkriegszeiten

Die Münchner Illustratorin und Autorin Heike von Schlebrügge begibt sich mit einer ungewöhnlichen Bildsprache auf die Suche nach den prägenden Erinnerungen und Erfahrungen ihrer Eltern als typische Kriegs- und Nachkriegskinder.

Foto: Drew James Benson

Aus Zeichnungen und alten Puppenstuben inszeniert sie eindrückliche Dioramen von Flucht, Nächten im Luftschutzkeller, dem Lager Friedland, der Rückkehr des Vaters aus der russischen Gefangenschaft und vielen anderen für diese Zeit geradezu exemplarischen Erlebnissen.

Die Stofflichkeit der historischen Puppenhäuser und Materialien, der Textilien, des Puppengeschirrs, stehen in starkem Kontrast zu den Zeichnungen der Eltern als Kinder und deren Familien und lassen den Betrachter emotional eintauchen. Fotografiert sind die Szenerien Teil eines Kinderbuchprojekts.

 

 

Die am 13. August um eröffnete Ausstellung wird bis zum 12. November 2023 verlängert. Die Vernissage findet um 11:00 Uhr in der Cohn-Scheune statt.

Hier ein paar Eindrücke:

© Heike von Schlebrügge

© Heike von Schlebrügge

© Heike von Schlebrügge

 

Rotenburger Preis für Erinnerung und Zukunft an Hansen-Schaberg und Geicke verliehen

Mit einem großen Festakt wurde am 25. April 2023 erstmals der Rotenburger Preis für Erinnerung und Zukunft an Inge Hansen-Schaberg und Beate Geike vergeben. Der „Rotenburger Preis für Erinnerung und Zukunft“ ist eine Initiative des Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke der inneren Mission und des AGAPLESION Diakonieklinikums Rotenburg und hat das Ziel, die Erinnerungskultur wachhalten und die Demokratie zu fördern. Er soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden, das nächste Mal also im Jahr 2025.

Inge Hansen-Schaberg wurde für eigene Verdienste der Erinnerungsarbeit, aber auch stellvertretend für den Förderverein Cohn-Scheune und seiner Arbeit zur Geschichte des Judentums im Bereich Rotenburg ausgezeichnet. Ihr Preisgeld in Höhe von 6.000,00 € will sie für Projekte der Erinnerungsarbeit nutzen. Ähnlich wie Beate Geicke. Sie hat ein Preisgeld von 4.000,00 € für ihren Einsatz zur Erinnerung an Wilm Hosenfeld erhalten, einem Wehrmachtsoffizier, der Menschen, u. a. einige Juden, das Leben gerettet hat.

Hier geht es zur Berichterstattung durch die Rotenburger Kreiszeitung vom 26.04.2023 zur Preisverleihung

Hier geht es zur Berichterstattung durch die Rotenburger Kreiszeitung vom 12.04.2023 zum „Rotenburger Preis für Erinnerung und Zukunft“

 

 

Laudatio durch Bürgermeister Torsten Oestmann

Dank durch Prof. Inge Hansen-Schaberg

 

Vortrag: Jüdische Textilgeschichten aus Wien

Ein Vortrag von Dr. Ursula Seeber, Wien

Straßennamen wie Seidengasse oder Bandgasse, volkstümliche Stadtteilbezeichnungen wie „Brillantengrund“ oder „Fetzenviertel“ verweisen bis heute darauf, dass das Textilgewerbe ein unangefochtener Teil der historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Identität von Wien ist. Textilproduktion und -handel entwickelten sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als Juden der ungehinderte Aufenthalt, Religionsausübung und Gewerbefreiheit gestattet worden war, zu einer jüdischen Domäne – lukrativ für Unternehmer wie für kleine Betriebe und Gewerbetreibende.

Modenhaus Julius Krupnik, Postkarte 1920er Jahre, © Privatsammlung

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1938 wurden viele jüdische Existenzen durch „Arisierung“ und Raub zerstört, die Menschen verfolgt, ins Exil vertrieben oder in den Lagern ermordet. Die Vielfalt an Textilfabrikationen, Modehäusern, Fachgeschäften für Stoffe, Strick- und Miederwaren, Schneidern, Modistinnen, Posamentierern, die Wien vor 1938 aufweisen konnte, ist heute im Stadtbild kaum mehr lesbar. Der Vortrag geht den Erinnerungsspuren von Textil und Judentum in Wien nach, wie sie sich in der Topografie Wiens, in Archivalien, Häusergeschichte, Fotografie, in Presse, Kunst und Literatur manifestieren.

 

Ursula Seeber, geb. 1956 in Innsbruck. Studium der Germanistik, Klassischen Philologie und Vergleichenden Literaturwissenschaft an den Universitäten Innsbruck und Wien. Ab 1984 Mitarbeiterin der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, von 1993 bis 2016 Leiterin der Österreichischen Exilbibliothek im Literaturhaus in Wien.

Dr. Ursula Seeber, Foto: Lukas Dostal

Publikationen und Ausstellungen zur österreichischen Literatur und zum Exil (Ausw.): Die Zeit gibt die Bilder (Mhg. 1992); Wie weit ist Wien? (Mhg. 1995); Kleine Verbündete. (Mhg. 1997); Ein Niemandsland, aber welch ein Rundblick! Exilautoren über Nachkriegs-Wien (Hg. 1998); Anna Mahler. Ich bin in mir selbst zu Hause (Mhg. 2004); Westend Stories. Erinnerungen und Texte aus Wien VII. (Mhg. 2009); Kometen des Geldes. Exil und Ökonomie (Mhg. 2015); Küche der Erinnerung. Essen und Exil (Mhg. 2018); Fährten lesen: Mensch und Tier in Reflexionen des Exils (Mhg. 2021).

 

Termin: 23. Mai 2023, 19 Uhr

Ort: Cohn-Scheune

Eintritt: 5,- Euro / 3,- Euro für Mitglieder, Schülerinnen und Schüler frei

 

Die Veranstaltung wird dankenswerterweise vom Förderverein des Lions Clubs Rotenburg (Wümme) LEA e.V. unterstützt.