Tom Schaberg: Thomas Mann – Deutsche Hörer. Ein Vortrag über die Radiosendungen 1940-1945

Vortrag am 13. Januar 2026, 19.00 Uhr in der Cohn-Scbeune

Bild von Markus Wolter, CC BY-SA 4.0,
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Der Vortrag von Prof. Dr. Tom Schaberg aus Rotenburg in der Cohn-Scheune am Dienstag, 13. 1. 2026, 19 Uhr, in der Cohn-Scheune behandelt die Entstehung und den Inhalt von Thomas Manns Radioansprachen „Deutsche Hörer!“, die zwischen 1940 und 1945 über den BBC German Service gesendet wurden. Ab Herbst 1940 begann Thomas Mann zunächst seine Ansprachen als Telegramme nach London zu schicken. Da er aber überzeugt war, dass die Wirkung erheblich größer wäre, wenn er seine Texte selbst spreche, drängte er auf Tonaufnahmen. Ab März 1941 wurde dies technisch möglich: Mann nahm seine Reden in Hollywood auf Schallplatten auf, die nach New York geflogenwurden und von dort über transatlantische Telefon-Leitungen nach London übertragen wurden. Dort zeichnete man sie erneut auf und sendete sie anschließend nach Deutschland. Trotz der verschachtelten Übertragung und eingeschränkter Tonqualität erreichten die Sendungen ein beachtliches Publikum: Nach Beobachtungen der BBC hörten zwischen drei und vier Millionen Menschen im Deutschen Reich die Radioansprachen. Die insgesamt 59 Ansprachen waren politische Interventionen, die sich offen gegen das NS-Regime richteten. Sie verbanden Nachrichten, moralische Appelle und scharfe Kritik an den Nationalsozialisten. Mann benutzte eine bewusst direkte, bisweilen harte Sprache, die sich deutlich von seinem literarischen Stil unterschied. Die Forschung hat diese Texte lange unterschätzt, da sie nicht in Manns literarisch-ästhetischen Kanon passten; erst in jüngerer Zeit werden sie als wichtige politisch-literarische Dokumente gewürdigt. Inhaltlich decken die Reden ein breites Spektrum ab. Beispielhaft wird der Vortrag auf Thomas Manns erstaunlich präzise Darstellung der Judenverfolgung und des Massenmords in Osteuropa eingehen und auf die Reden über den Luftkrieg. In allen Reden verurteilt Thomas Mann die Verbrechen des NS-Staates und ruft die Deutschen eindringlich dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und sich von der Diktatur zu lösen. Stets positionierte er seine ruhige, argumentierende Sprechweise als Gegenbild zu Hitlers aggressiver Propaganda. Die letzte Ansprache von 1945 blickt auf den Kampf gegen den Nationalsozialismus zurück, den Mann als moralische Verpflichtung verstand. Der Vortrag betont, dass Thomas Mann der einzige deutsche Schriftsteller von internationalem Rang war, der während des Krieges kontinuierlich und öffentlich gegen das NS-Regime auftrat – eine politische und moralische Ausnahmegestalt des Exils.

Claudia Koppert: Rückblick auf die Jahre 2010 bis 2025 in der Cohn-Scheune

Vortragstext Claudia Koppert

Im Rahmen unserer Jubiläumsveranstaltung am 19. September 2025 hat Claudia Koppert in einem anschaulichen Vortrag die Aktivtäten unseres Museums in den Jahren 2010 bis 2025 dargestellt.

Sie hat ihr Manuskript hier zum Nachlesen bereitgestellt. Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre!

Matthias Loeber: Keine Zuflucht. Nirgends. Die Fahrt der MS „ST. LOUIS“ im Mai 1939

Die "ST. LOUIS" im Hafen, Sammlung M. Loeber

Die „ST. LOUIS“ im Hafen, Sammlung M. Loeber

Vortrag am 4. Dezember, 19.00 Uhr in der Cohn-Scheune

Im Mai 1939 verließ der HAPAG-Dampfer „ST. LOUIS“ Hamburg mit Fahrtrichtung Kuba. An Bord waren 937 Passagiere, die meisten von ihnen jüdische Deutsche. Der Großteil von ihnen hatte bereits Visa für die Vereinigten Staaten beantragt und wollte den karibischen Inselstaat nur als Zwischenstation nutzen. Doch vor Ort wurde dem

Kapitän Gustav Schröder, Sammlung M. Loeber

Kapitän Gustav Schröder, Sammlung M. Loeber

Schiff die Landung verwehrt. Es musste Kuba wieder verlassen, auch die Vereinigten Staaten verweigerten die Unterstützung. Es begann eine Irrfahrt auf dem Atlantik. Dem Verhandlungsgeschick des Kapitäns Gustav Schröder, eines Bordkomitees und jüdischer Hilfsorganisationen gelang es letztlich, die Flüchtlinge auf Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Belgien aufzuteilen. Besonders tragisch ist, dass der Großteil von ihnen infolge des deutschen Angriffs auf die westlichen Nachbarländer bereits 1940 wieder in die Gewalt der NS-Machthaber gelangte.

Der Vortrag schildert Vorgeschichte, Verlauf und Nachgang der „Irrfahrt“ und hebt dabei ausgewählte Biografien von Passagieren und anderen Akteuren hervor.

Dr. Matthias Loeber (*1990) ist Historiker. Nach dem Studium an der Universität Bremen folgte ein Volontariat am Historischen Museum Bremerhaven. Nach diversen freiberuflichen Stationen in Forschung, Lehre, Bildung und Vermittlung folgte ein Promotionsstudium an der Universität Hamburg (Prof. Dr. Dr. Rainer Hering), gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Seit 2023 ist Loeber Leiter des Heimatmuseums Scheeßel. 2018–2019 war er Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Keine Zuflucht. Nirgends. Die Konferenz von Evian 1938 und die Fahrt der ‚ST. LOUIS‘ 1939“ an der Universität Bremen.