Anja Hasler: Die unsichtbaren Fäden – Familiäre Erinnerungen in Spanien an Deportation und KZ-Haft

Vortrag in der Cohn-Scheune am Dienstag, 28. April 2026, 19.30 Uhr

Grabstein für Jesús Santos auf dem Waldfriedhof Rotenburg, 2024, Foto: Privat.

Im Juni 1945 starb Jesús Santos im Hospital Rotenburg-Unterstedt an den Folgen der KZ-Haft und des Todesmarsches von Neuengamme nach Sandbostel. Für seine Familie in Spanien galt er lange Zeit als verschollen. Im Mai 2025, 80 Jahre später, besuchten seine Nichten das Gräberfeld auf dem Rotenburger Waldfriedhof zum ersten Mal. In ihrem Vortrag zeichnet Anja Hasler die Verfolgungsgeschichte der Brüder Jesús und Miguel Santos nach – vom Spanischen Bürgerkrieg bis nach Norddeutschland.

In den 1940er Jahren wurden etwa 750 Spanier:innen in das KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. Die meisten von ihnen hatten sich zuvor als Geflüchtete des Spanischen Bürgerkriegs im französischen Exil aufgehalten. In Spanien sind diese Schicksale weitgehend in Vergessenheit geraten. Während der Diktatur Francisco Francos (1939–1975) wurde die Erinnerung an die Exilant:innen und Deportierten aus dem öffentlichen Raum verdrängt.

Miguel und Jesús Santos, 1934, Foto: Privat.

Erst der sogenannte Memory Boom der frühen 2000er Jahre führte zu einer bis heute andauernden gesellschaftlichen Debatte. Für ihre Promotion hat Anja Hasler mit Angehörigen der zweiten, dritten und vierten Generation gesprochen – über das Vergessen und das (familiäre) Erinnern in einer Zeit, in der ein erinnerungspolitischer Konsens in Spanien in weiter Ferne zu liegen scheint.

Anja Hasler promoviert im Fach Neuere und Neueste Geschichte an der Universität zu Köln. Von April 2022 bis September 2025 war sie Promotionsstipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seit Januar 2026 ist sie am Denkort Bunker Valentin als Projektkoordinatorin für das „remembrance lab: Kids“ tätig.

Rabbiner Jona Simon: Jüdische Friedhöfe im Elbe-Weser-Dreieck und jüdische Bestattungssitten

Vortrag am Dienstag, 17. März 2026, 19.30 Uhr in der Cohn-Scheune

Jüdischer Friedhof in Zeven. Foto: Wolfgang Dörfler

Im 18. und 19. Jahrhundert haben viele jüdische Gemeinden auch auf dem Lande Friedhöfe anlegen können, die heute nicht mehr belegt werden, weil die Gemeinden nicht mehr existieren, so auch in Rotenburg und Zeven. Für diese „pflegeverwaisten“ Friedhöfe gibt es im Landesverband der Jüdischen Gemeinden einen Rabbiner, der sich um ihren Erhalt kümmert. Rabbiner Jona Simon wird in der Rotenburger Cohn-Scheune darüber berichten. Dabei werden auch die jüdischen Bestattungssitten zur Sprache kommen, zu denen gehört, dass die Leichen nicht verbrannt werden dürfen, weil die Urne mit der Asche in der Regel nicht auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden darf.

In Niedersachsen gibt es noch über 200 jüdische Friedhöfe. Ihre Besonderheit ist, dass sie nicht umgewidmet, überbaut oder anderweitig genutzt werden dürfen. Nach jüdischem Verständnis sind Friedhöfe „Orte der Ewigkeit“. Der hebräische Ausdruck dafür lautet: „Beit Olem – Ein Haus der Ewigkeit“ Ein Belegungsdauer gibt es also nicht, jedes Grab muss erhalten bleiben.

Jüdischer Friedhof in Zeven. Foto: Wolfgang Dörfler

Rabbiner Jona Simon ist 48 Jahre alt. Aufgewachsen auf Gran Canaria und in Bielefeld, hat zunächst Linguistik und Spanisch in Bielefeld und Sevilla studiert und später Jüdische Studien in Potsdam, Berlin und Jerusalem. Parallel hat er eine Rabbinats-Ausbildung am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg absolviert. Im November 2011 wurde er zum Rabbiner ordiniert. Für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen betreut er auch verschiedene kleine Gemeinden im Weserraum. In seiner Magisterarbeit zum Thema »Kri’a – das Kleiderzerreißen im Trauerfall« hat sich Simon mit der Herkunft und Entwicklung des einzigen bis heute üblichen Trauerbrauchs beschäftigt, der schon in der Tora Erwähnung findet.

Rabbi Simon gibt auch zu vielen anderen Fragen des jüdischen Lebens und der Religionsgesetze lebhaft Auskunft, so dass wir einen interessanten Abend versprechen können.

Heinz Promann: Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der Herausforderung Gedenkorte zu schaffen

Vortrag am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der Cohn-Scheune in Rotenburg

Heinz Promann mit Entwurf einer G+E-Tafel zum Gedächtnis an zwei Kleinkinder, die in der Kinderverwahranstalt Riekenbostel verstarben. Foto: Ann-Christin Beims, Rotenburger Kreiszeitung 20.11.2020

An der BBS Rotenburg im Fach Geschichte konnte Heinz Promann in seinen letzten
Berufsjahren für seine Schülerinnen und Schüler mehrere Projekte zur regionalen
Erinnerungskultur vorbereiten. Einige dieser Projekte konnten noch während seiner Dienstzeit
realisiert werden, andere in den Jahren danach. Weitere stecken noch im Flaschenhals der
Verwaltungen, manchmal dauert es mehrere Jahre bis zur Umsetzung. Gelegentlich kann es
auch sehr schnell gehen, wenn engagierte Mitbürger*innen sich einschalten.

Einige realisierte Beispiele:
– 12.6.2017 Geschichts- und Erinnerungstafel, Friedhof Lindenstraße, ROW
(Schüler*innenprojekt)
– 6.11.2019 Einweihung G+E-Tafel, für 4 Kriegsgräber, Friedhof Waffensen
– 2.10.2021 Stolperstein für Heinrich Mathias, Kirchstr., ROW
– 19.9.2021 Einweihung G+E-Tafel für 2 Kinder-Kriegsgräber, Friedhof Helvesiek
– 17.3.2024 Einweihung G+E-Tafel, Kinderverwahranstalt, Friedhof Riekenbostel
– 24.11.2024 Einweihung der Ergänzungsstelen sowjetischer Kriegsgefangener, Jüdischer
Friedhof, ROW
– 27.1.2025 Wiederherstellung zweier Kriegsgräber, Friedhof Westervesede
– 5.9.2025 Einweihung Gedenkstein und G+E-Tafel, Friedhof Jeddingen
Von seinen Erfahrungen wird Heinz Promann, der jetzt ehrenamtlich als Gemeindearchivar in
Scheeßel tätig ist, unter dem Thema „Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der
Herausforderung Gedenkorte zu schaffen“ am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der
Cohn-Scheune in Rotenburg berichten.