Nächstens in der Cohn-Scheune

• 09.11.2019 – 18 Uhr: Ratssaal Rotenburg: Film „Menschliches Versagen“ (Michael Verhoeven)

• 30. Oktober 2019: Lesung von Uwe Bausdorf: „Aus den Erinnerungen von Renata Stein“

• 14. Oktober 2019: Demonstration mit Menschenkette rund um unser Museum

• Seit Di 16.04.2019 läuft die Ausstellung mit dem nachgebauten Gebetssaal aus Zeven (1937), sowie die Austellung mit der Plakat-Retrospektive „12 Jahre Kulturwerkstatt Cohn-Scheune“

Film „Menschliches Versagen“ (Michael Verhoeven)

Sonnabend, 09. November 2019 – 18 Uhr: Im Ratssaal Rotenburg –  in Kooperation mit der Stadt Rotenburg. (Eintritt frei) – Die Mitregisseurin Luise Lindermair wird anwesend sein.

In seinem Film „Menschliches Versagen“ geht der renommierte Autor und Regisseur Michael Verhoeven daran, anhand der konkreten Geschichten von Betroffenen den Vorgang der Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Deportation der jüdischen Mitbürger aufzuzeigen.
Das Ende des Holocaust, die brutale Auslöschung von Millionen von Menschenleben, ist – zumindest in seinen wichtigsten Fakten – bekannt. Viel weniger dokumentiert und bis heute viel weniger vorstellbar sind die Anfänge des Verbrechens mitten in einer „normalen“ Gesellschaft.

Wie kann es sein, dass ein so eklatantes Unrecht durch immer neue Gesetze rechtsförmig gemacht wurde? Warum haben sich die damit befassten Behörden so intensiv, oft übereifrig am Holocaust beteiligt? Warum haben die meisten nicht-jüdischen Deutschen so wenig dagegen unternommen? Wie war es möglich, sie alle zu Komplizen zu machen? Warum hat es quer durch ein riesiges Reichsgebiet so wenig Mut zum Aufbegehren und so wenig Kraft zum Widerstand gegeben?

Der zentrale Themenbereich des Filmes ist die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die vollständige Ausraubung der jüdischen Bevölkerung – die nach dem Krieg durch Rückerstattung oder Schadensersatz nur zu einem geringen Prozentsatz wieder „gut“ gemacht worden ist.

Michael Verhoevens Film wirft die beunruhigende und bis heute beschämende Frage auf, in welchem Ausmaß die zivile Bevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und in den besetzten Ländern geworden ist. Schwerpunkte dieser Spurensuche sind Köln und München.
(Quelle: Bayerischer Rundfunk) – Filmplakat: © Michael Verhoeven / Bayerischer Rundfunk

Renata Stein (1917 – 2007): Erinnerungen

Mi 30.10.2019 – 19 Uhr: Uwe Bausdorf (Rotenburg) liest aus den „Erinnerungen an Jugend, Krieg und Nachkriegszeit der 2007 in Rotenburg verstorbenen Renata Stein.

Renata Stein (1917 in Berlin geboren) war Tochter von Hedwig Stein, geborene Vollpracht, und Max Stein, des Direktors der Vereinigten Dachpappenfabrik Deutschland. Max Stein war Weggefährte und Freund des Reichstagspräsidenten Paul Löbe. Weil er Jude war, musste er den Direktorenposten verlassen, da in der Hetzzeitschrift „Der Stürmer“ gegen ihn agitiert wurde. Er war ein bedeutender Sammler von Schriften zur Sozialismusforschung und der Arbeiterbewegung. Renata Stein erzählt von dem Leben während des Krieges in Berlin, und wie ihr Vater, der durch seine evangelische Ehefrau in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ relativ geschützt war, es schaffte, diese Sammlung in Berlin durch Krieg und Nachkriegszeit zu bringen. Die „Bibliothek Stein“ umfasst 7.500 Bände und wurde 1951 von der Freien Universität Berlin angekauft.

Renata Stein schildert ferner ihren Werdegang nach dem Krieg. Da sie fließend Englisch sprach, war sie nach dem Krieg bei der Alliierten Kommandantur beschäftigt. Als Übersetzerin und dann auch Journalistin bei „Newsweek“ verfolgte sie die Gründung der Bundesrepublik in Bonn. Nach ihrer siebenjährigen Tätigkeit bei dieser amerikanischen Zeitung war sie beim Obersten Rückerstattungsgericht in der Berliner Rauchstraße beschäftigt, welches für die Rückerstattung von während des Nationalsozialismus beschlagnahmten Vermögen zuständig war.

Der Vortragende Uwe Bausdorf, ehemaliger Lehrer an der RS Rotenburg, hat von seinem achten bis einundzwanzigsten Lebensjahr mit seiner Mutter und Renata Stein in Berlin zusammengelebt. Er hat sie 2004 nach Rotenburg geholt, wo er sich bis zu ihrem Tode 2007 um sie gekümmert hat.

Eintritt: 3 EuroSchülerinnen und Schüler haben freien Eintritt.

Foto: „Renata Stein ~1965 / © Meike Bausdorf

Menschenkette um die Cohn-Scheune

„Diskriminierung fängt dort an, wo die Achtung vor der Menschenwürde aufhört.“ (Monika Kühn-Görg)

Am Montag den 14.10.19 versammelten sich die Kurse 17B und 19B der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg an der Cohn-Scheune, einem jüdischem Museum in Rotenburg, anlässlich der Anschläge in Halle am 09.10.2019.

Um Solidarität dem Judentum gegenüber zu vermitteln, rief die Evangelische Kirche in Deutschland dazu auf, Menschenketten um Synagogen zu bilden. Im Rahmen des Ethikunterrichtes kam die Frage auf, wie sich ein solches Projekt in Rotenburg gestalten ließe. Da die Cohn-Scheune mit ihrem kulturhistorischen Bezug zum Judentum in fußläufiger Reichweite der Gesundheits- und Krankenpflegeschule liegt, konnte das Projekt der Schüler aus über 12 verschiedenen Nationen zügig umgesetzt werden. Ziel der Aktion war es, Wertschätzung und Zusammenhalt zu vermitteln, wie auch sich öffentlich gegen Antisemitismus zu positionieren.

Frau Hansen-Schaberg und Frau Quehl vom Förderverein Cohn-Scheune e.V. zeigten sich sehr unterstützend und öffneten spontan Türen und Herzen für alle Beteiligten. (Anna Schreiner und Justina Pallas, 17B / Text+Foto © Diakonieklinikum Rotenburg)