Nächstens in der Cohn-Scheune

So 05. Nov. 2017 – 15 Uhr: Eröffnung der Ausstellung „Schützende Inseln – Lehrgüter für die Auswanderung jüdischer Jugendlicher im Nationalsozialismus“ – Studierende der TU Braunschweig

Do 09. Nov. 2017 – 19 Uhr: (Holocaust-Gedenktag ) Vortrag Harrie Teunissen: Lebensraum und Getto – Karten des Warthegaus und Pläne von Litzmannstadt“

Mi 13. Dez. 2017 – 18 Uhr: CHANUKKA

• TV: Radio Bremen „Buten un Binnen“ – Kurzfilm über Kultur in Rotenburg

http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/video96934-popup.html

 

Ausstellung – Schützende Inseln

Sonntag, 05. November 2017 – 15 Uhr: Eröffnung der Ausstellung

„Schützende Inseln – Lehrgüter für die Auswanderung jüdischer Jugendlicher im Nationalsozialismus“

Nach der Machtübernahme 1933 schufen die Organisationen der jüdischen Selbsthilfe das sogenannte Hachschara-Werk (Hachschara hebr. für Tauglichmachung), über das junge Menschen  eine handwerkliche-, landwirtschaftliche-, gärtnerische- und/oder hauswirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung auf die Auswanderung, vornehmlich nach Palästina (später Israel) und das Leben und Arbeit in einem Kibbuz erhielten. In einem Seminar-Projekt, das am Institut für Erziehungswissenschaft der TU-Braunschweig unter Leitung von Frau Prof. Dr. Ulrike Pilarczyk stattfand, haben sich heutige Studierende mit der Situation der damals Jugendlichen in den Hachschara-Lehrgütern und ihrer Emigration auseinandergesetzt. Im Ergebnis entstand eine Ausstellung, die am 5. November in der Cohn-Scheune in Rotenburg/Wümme eröffnet wird. Auf fünfzehn Tableaus sind private Fotografien und Texte jüdischer Jugendlicher mit  Bildern und Stimmen aus zeitgenössischen jüdischen  Publikationen zu faszinierenden Bildern dieser Zeit verwoben. Die Ausstellung wird bis zum Ende des Jahres 2017 an den üblichen Öffnungszeiten des Museums (Mittwoch und Sonntag von 14:30-17:00 Uhr) zu sehen sein. Der Eintritt beträgt 2 €, Sonderführungen können vereinbart werden. (Ulrike Pilarczyk)

Ein Garten Eden inmitten der Hölle

Di 26.09.2017 – 19 Uhr:  Vortrag  Reinhard Piechocki stellt die Lebensgeschichte der jüdischen Pianistin Alice Herz-Sommer (1903-2014) vor: „Ein Garten Eden inmitten der Hölle“. Ein Jahrhundertleben. Dabei werden auch Auszüge aus Klavierstücken zu  hören sein, die der Pianistin halfen, die Zeit der Nazi-Verfolgung zu Überleben, und es werden kurze Filmaufnahmen gezeigt. (Eintritt: 4 EURO)

 

Alice Herz-Sommer

(in jungen Jahren und im hohen Alter am Klavier)

[© R. Piechocki]

Franz Kafkas Prag, der Zauber Chopins und das Ghetto von Theresienstadt – Kultur und Barbarei haben die jüdische Pianistin Alice Herz-Sommer geprägt. 1941, nach der Deportation ihrer Mutter, irrte die damals 38-Jährige völlig verzweifelt durch Prag, als sie plötzlich wusste: „Übe die 24 Etüden – das wird dich retten!“ Chopins 24 Etüden gelten als extrem schwierig zu spielen. Alice Herz-Sommer eignete sie sich in einem Jahr exzessiven Übens an. Nachdem sie 1943 mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann nach Theresienstadt verbracht worden war, gaben sie und andere Pianisten dort bis zur Befreiung 1945 für ihre Mithäftlinge unzählige Klavierkonzerte. Die Freude am Musizieren habe ihnen beim Durchhalten geholfen: „Diese Konzerte, die Menschen, die da saßen, alte Leute, verlassen und krank, aber sie kamen zu den Konzerten, und diese Musik war unsere Speise für sie.“ Ihr Musizieren machte es ihr auch möglich, wie ihr Sohn später sagte, ihm einen „Garten Eden inmitten der Hölle“ zu erschaffen. Er selbst wurde ein bekannter Cello-Virtuose.

Bei Recherchen zur Interpretationsgeschichte von Chopins Etüden lernte Reinhard Piechocki Alice Herz-Sommer 2002 kennen. Es entwickelte sich eine intensive Freundschaft, aus der das Buch über die Pianistin hervorging. Reinhard Piechockis Biografie dieser ungewöhnlich starken Frau, deren Lebensfreude die Menschen mitriss, wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

2014 verstarb Alice Herz-Sommer, die vermutlich älteste Überlebende des Holocaust, im Alter von 110 Jahren in London.

20.06.2017 – 19 Uhr: Vortrag von Dr. Hiltrud Häntzschel: Skandalon der Zeugenschaft ?

„Die Schriftstellerin Grete Weil und ihre Rolle im literarischen Leben der BRD“ ist der Vortrag von Frau Dr. Hiltrud Häntzschel (Germanistin / München) überschrieben.

Grete Weil (1906 – 1999), Tochter aus großbürgerlichem, jüdischem Elternhaus in München musste 1933 ihr Germanistikstudium abbrechen und floh mit ihrem Mann, dem Dramaturgen Edgar Weil, ins Exil nach Amsterdam. Während Edgar Weil 1943 einer Razzia in die Hände lief und in Mauthausen ermordet wurde, konnte Grete Weil in Holland versteckt überleben und kehrte 1946 nach Deutschland zurück.

Ihr spät einsetzendes literarisches Werk ist erst im hohen Alter mit den Romanen Meine Schwester Antigone und Der Brautpreis einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Es kreist unaufhörlich um den „Morbus Auschwitz“, um die Erfahrung des Holocaust, ums Überlebthaben, um die Schuld der Täter wie der Opfer, auch um die Weigerung der Sprache, diese Zeugenschaft zu vermitteln,  sowie die jahrelange Weigerung des deutschen Lesepublikums, sich auf solches Zeugnis einzulassen. Im Zentrum des Vortrags steht der Roman Tramhalte Beethovenstraat von 1963 bzw. 1992.

(Foto 1: Selbstporträt 1939, Amsterdam; aus Nachlass; Münchner Stadtbibliothek Monacensis  ⁄  Foto 2: Porträt Grete Weil; aus Hilde Koelbl: „Jüdische Portraits – Photographien und Interviews“, Frankfurt a.M. 1989; mit freundlicher Genehmigung von Hilde Koelbl)