Steffi Böttger: In treuer Kameradschaft. Wolfgang Natonek und Walter Kempowski
Vortrag in der Cohn-Scheune am Dienstag, 16. Juni 2026, 19.00 Uhr

Wolfgang Natonek, Abdruckgenehmigung des Lehmstedt Verlags Leipzig
1948 wurden von den Sowjetischen Militärbehörden in Leipzig und Rostock zwei Männer verhaftet und nach absurden Gerichtsverfahren zu jeweils 25 Jahren Arbeitslager verurteilt: Wolfang Natonek und Walter Kempowski. Beide trafen nach Monaten der Einzelhaft in einem der 400 Leute beherbergenden Säle im ehemaligen sächsischen Landeszuchthaus Bautzen aufeinander.

Das Zuchthaus in Bautzen, Abdruckgenehmigung des Lehmstedt Verlags Leipzig
Ihre bisherigen Lebenswege unterschieden sich gründlich voneinander: Kempowski, 19 Jahre alt, Sohn eines angesehenen Rostocker Reeders, ohne Schulabschluss, in der Welt umherirrend und ohne Ziel und Plan – Wolfgang Natonek, 29 Jahre alt, Sohn des jüdischen
Prager Autors und Journalisten Hans Natonek, nach Jahren der Diskriminierung und Ausgrenzung Student der Philosophie an der Universität Leipzig, erfolgreicher Funktionär in der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDP) und mehrmaliger Vorsitzender des Studentenrates an der Universität, zielstrebig und politisch auf festem Boden stehend. Die Schauspielerin und Publizistin Steffi Böttger beleuchtet in ihrem Vortrag, wie die beiden Männer die erzwungene Intimität der Haft erlebten, die für sie erst 1956 endete. Welche Strategien der Bewältigung dieser Katastrophe wählten sie, und wie verliefen ihrer beider Lebenswege nach der Haftentlassung?
Zur Referentin:

Steffi Böttger – Abdruckgenehmigung des Sächsischen Verbindungsbüros in Prag
Die Publizistin und Sprecherin aus Leipzig ist Autorin u.a. des Leipziger Lehmstedt Verlages. Nach einem Studienaufenthalt an der State University of
New York in Albany gab sie die Publizistik des Schriftstellers Hans Natonek heraus. 2013 erschien ihre Hans Natonek-Biographie „Für immer fremd“. Mittlerweile publiziert sie kulturgeschichtliche Stadtführer deutscher und Schweizer Städte und beschäftigt sich mit Autoren des frühen 19. Jahrhunderts. Regelmäßig erscheinen dazu Texte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und den Leipziger Blättern. Sie ist als Sprecherin für Hörbücher, Synchronsprecherin für Dokumentationen bei Arte und der ARD und als Vortragende bei Goethe-Gesellschaften und Richard-Wagner-Verbänden zu erleben. 2024 war sie die Residenzstipendiatin
der Sächsischen Kulturstiftung und des Prager Literaturhauses für deutschsprachige Autoren in Prag.