Rabbiner Jona Simon: Jüdische Friedhöfe im Elbe-Weser-Dreieck und jüdische Bestattungssitten

Vortrag am Dienstag, 17. März 2026, 19.30 Uhr in der Cohn-Scheune

Jüdischer Friedhof in Zeven. Foto: Wolfgang Dörfler

Im 18. und 19. Jahrhundert haben viele jüdische Gemeinden auch auf dem Lande Friedhöfe anlegen können, die heute nicht mehr belegt werden, weil die Gemeinden nicht mehr existieren, so auch in Rotenburg und Zeven. Für diese „pflegeverwaisten“ Friedhöfe gibt es im Landesverband der Jüdischen Gemeinden einen Rabbiner, der sich um ihren Erhalt kümmert. Rabbiner Jona Simon wird in der Rotenburger Cohn-Scheune darüber berichten. Dabei werden auch die jüdischen Bestattungssitten zur Sprache kommen, zu denen gehört, dass die Leichen nicht verbrannt werden dürfen, weil die Urne mit der Asche in der Regel nicht auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden darf.

In Niedersachsen gibt es noch über 200 jüdische Friedhöfe. Ihre Besonderheit ist, dass sie nicht umgewidmet, überbaut oder anderweitig genutzt werden dürfen. Nach jüdischem Verständnis sind Friedhöfe „Orte der Ewigkeit“. Der hebräische Ausdruck dafür lautet: „Beit Olem – Ein Haus der Ewigkeit“ Ein Belegungsdauer gibt es also nicht, jedes Grab muss erhalten bleiben.

Jüdischer Friedhof in Zeven. Foto: Wolfgang Dörfler

Rabbiner Jona Simon ist 48 Jahre alt. Aufgewachsen auf Gran Canaria und in Bielefeld, hat zunächst Linguistik und Spanisch in Bielefeld und Sevilla studiert und später Jüdische Studien in Potsdam, Berlin und Jerusalem. Parallel hat er eine Rabbinats-Ausbildung am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg absolviert. Im November 2011 wurde er zum Rabbiner ordiniert. Für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen betreut er auch verschiedene kleine Gemeinden im Weserraum. In seiner Magisterarbeit zum Thema »Kri’a – das Kleiderzerreißen im Trauerfall« hat sich Simon mit der Herkunft und Entwicklung des einzigen bis heute üblichen Trauerbrauchs beschäftigt, der schon in der Tora Erwähnung findet.

Rabbi Simon gibt auch zu vielen anderen Fragen des jüdischen Lebens und der Religionsgesetze lebhaft Auskunft, so dass wir einen interessanten Abend versprechen können.

Heinz Promann: Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der Herausforderung Gedenkorte zu schaffen

Vortrag am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der Cohn-Scheune in Rotenburg

Heinz Promann mit Entwurf einer G+E-Tafel zum Gedächtnis an zwei Kleinkinder, die in der Kinderverwahranstalt Riekenbostel verstarben. Foto: Ann-Christin Beims, Rotenburger Kreiszeitung 20.11.2020

An der BBS Rotenburg im Fach Geschichte konnte Heinz Promann in seinen letzten
Berufsjahren für seine Schülerinnen und Schüler mehrere Projekte zur regionalen
Erinnerungskultur vorbereiten. Einige dieser Projekte konnten noch während seiner Dienstzeit
realisiert werden, andere in den Jahren danach. Weitere stecken noch im Flaschenhals der
Verwaltungen, manchmal dauert es mehrere Jahre bis zur Umsetzung. Gelegentlich kann es
auch sehr schnell gehen, wenn engagierte Mitbürger*innen sich einschalten.

Einige realisierte Beispiele:
– 12.6.2017 Geschichts- und Erinnerungstafel, Friedhof Lindenstraße, ROW
(Schüler*innenprojekt)
– 6.11.2019 Einweihung G+E-Tafel, für 4 Kriegsgräber, Friedhof Waffensen
– 2.10.2021 Stolperstein für Heinrich Mathias, Kirchstr., ROW
– 19.9.2021 Einweihung G+E-Tafel für 2 Kinder-Kriegsgräber, Friedhof Helvesiek
– 17.3.2024 Einweihung G+E-Tafel, Kinderverwahranstalt, Friedhof Riekenbostel
– 24.11.2024 Einweihung der Ergänzungsstelen sowjetischer Kriegsgefangener, Jüdischer
Friedhof, ROW
– 27.1.2025 Wiederherstellung zweier Kriegsgräber, Friedhof Westervesede
– 5.9.2025 Einweihung Gedenkstein und G+E-Tafel, Friedhof Jeddingen
Von seinen Erfahrungen wird Heinz Promann, der jetzt ehrenamtlich als Gemeindearchivar in
Scheeßel tätig ist, unter dem Thema „Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der
Herausforderung Gedenkorte zu schaffen“ am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der
Cohn-Scheune in Rotenburg berichten.

 

Stefanie Schüler-Springorum: Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes

Vortrag im Saal des Gemeindehauses der Stadtkirche Rotenburg am Dienstag, 3. Februar 2026, 19.00 Uhr

Einladung anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Cohn-Scheune e.V.

Am 31. Januar 2006 wurde der Förderverein Cohn-Scheune e.V. gegründet. Aus diesem Anlass planen wir eine besondere Veranstaltung. Es ist uns gelungen, die derzeitige Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Frau Professorin Dr. Stefanie Schüler-Springorum zu einem Gastvortrag einzuladen. Sie wird über das folgende Thema sprechen:

„Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“

Rassismus und Antisemitismus, Ressentiments und Diskriminierung bestanden nach 1945 in Deutschland nahezu ungebrochen fort. Stefanie Schüler-Springorum stellt die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen dar, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Sie schildert die Erfahrungen von überlebenden Juden, Sinti und Roma, von ehemaligen Zwangsarbeitern und Homosexuellen bis in die 1970er-Jahre, die Schikanen, Anfeindungen und den Kampf um Anerkennung und Entschädigung. Die Erzählung von der „geglückten Demokratie“ in Westdeutschland, so zeigt sich, gilt keineswegs für alle. Hier wird eine andere, bislang kaum beachtete Geschichte erzählt, die bis heute fortwirkt.

Literaturhinweis:
Stefanie Schüler-Springorum: Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025

Professorin Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie seit 2012 Ko-Direktorin des Selma-Stern-Zentrums für jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Zuvor arbeitete sie bei der Stiftung Topographie des Terrors und leitete von 2001 bis 2011 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Ihre zentralen Themen sind die jüdische, die deutsche und die spanische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.