Heinz Promann: Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der Herausforderung Gedenkorte zu schaffen

Vortrag am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der Cohn-Scheune in Rotenburg

Heinz Promann mit Entwurf einer G+E-Tafel zum Gedächtnis an zwei Kleinkinder, die in der Kinderverwahranstalt Riekenbostel verstarben. Foto: Ann-Christin Beims, Rotenburger Kreiszeitung 20.11.2020

An der BBS Rotenburg im Fach Geschichte konnte Heinz Promann in seinen letzten
Berufsjahren für seine Schülerinnen und Schüler mehrere Projekte zur regionalen
Erinnerungskultur vorbereiten. Einige dieser Projekte konnten noch während seiner Dienstzeit
realisiert werden, andere in den Jahren danach. Weitere stecken noch im Flaschenhals der
Verwaltungen, manchmal dauert es mehrere Jahre bis zur Umsetzung. Gelegentlich kann es
auch sehr schnell gehen, wenn engagierte Mitbürger*innen sich einschalten.

Einige realisierte Beispiele:
– 12.6.2017 Geschichts- und Erinnerungstafel, Friedhof Lindenstraße, ROW
(Schüler*innenprojekt)
– 6.11.2019 Einweihung G+E-Tafel, für 4 Kriegsgräber, Friedhof Waffensen
– 2.10.2021 Stolperstein für Heinrich Mathias, Kirchstr., ROW
– 19.9.2021 Einweihung G+E-Tafel für 2 Kinder-Kriegsgräber, Friedhof Helvesiek
– 17.3.2024 Einweihung G+E-Tafel, Kinderverwahranstalt, Friedhof Riekenbostel
– 24.11.2024 Einweihung der Ergänzungsstelen sowjetischer Kriegsgefangener, Jüdischer
Friedhof, ROW
– 27.1.2025 Wiederherstellung zweier Kriegsgräber, Friedhof Westervesede
– 5.9.2025 Einweihung Gedenkstein und G+E-Tafel, Friedhof Jeddingen
Von seinen Erfahrungen wird Heinz Promann, der jetzt ehrenamtlich als Gemeindearchivar in
Scheeßel tätig ist, unter dem Thema „Schüler*innenprojekte und was daraus wurde. Von der
Herausforderung Gedenkorte zu schaffen“ am Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19 Uhr, in der
Cohn-Scheune in Rotenburg berichten.

 

Stefanie Schüler-Springorum: Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes

Vortrag im Saal des Gemeindehauses der Stadtkirche Rotenburg am Dienstag, 3. Februar 2026, 19.00 Uhr

Einladung anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Cohn-Scheune e.V.

Am 31. Januar 2006 wurde der Förderverein Cohn-Scheune e.V. gegründet. Aus diesem Anlass planen wir eine besondere Veranstaltung. Es ist uns gelungen, die derzeitige Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Frau Professorin Dr. Stefanie Schüler-Springorum zu einem Gastvortrag einzuladen. Sie wird über das folgende Thema sprechen:

„Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“

Rassismus und Antisemitismus, Ressentiments und Diskriminierung bestanden nach 1945 in Deutschland nahezu ungebrochen fort. Stefanie Schüler-Springorum stellt die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen dar, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Sie schildert die Erfahrungen von überlebenden Juden, Sinti und Roma, von ehemaligen Zwangsarbeitern und Homosexuellen bis in die 1970er-Jahre, die Schikanen, Anfeindungen und den Kampf um Anerkennung und Entschädigung. Die Erzählung von der „geglückten Demokratie“ in Westdeutschland, so zeigt sich, gilt keineswegs für alle. Hier wird eine andere, bislang kaum beachtete Geschichte erzählt, die bis heute fortwirkt.

Literaturhinweis:
Stefanie Schüler-Springorum: Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025

Professorin Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie seit 2012 Ko-Direktorin des Selma-Stern-Zentrums für jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Zuvor arbeitete sie bei der Stiftung Topographie des Terrors und leitete von 2001 bis 2011 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Ihre zentralen Themen sind die jüdische, die deutsche und die spanische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.

Tom Schaberg: Thomas Mann – Deutsche Hörer. Ein Vortrag über die Radiosendungen 1940-1945

Vortrag am 13. Januar 2026, 19.00 Uhr in der Cohn-Scbeune

Bild von Markus Wolter, CC BY-SA 4.0,
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0,
via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:VE301_dyn.jpg

Der Vortrag von Prof. Dr. Tom Schaberg aus Rotenburg in der Cohn-Scheune am Dienstag, 13. 1. 2026, 19 Uhr, in der Cohn-Scheune behandelt die Entstehung und den Inhalt von Thomas Manns Radioansprachen „Deutsche Hörer!“, die zwischen 1940 und 1945 über den BBC German Service gesendet wurden. Ab Herbst 1940 begann Thomas Mann zunächst seine Ansprachen als Telegramme nach London zu schicken. Da er aber überzeugt war, dass die Wirkung erheblich größer wäre, wenn er seine Texte selbst spreche, drängte er auf Tonaufnahmen. Ab März 1941 wurde dies technisch möglich: Mann nahm seine Reden in Hollywood auf Schallplatten auf, die nach New York geflogenwurden und von dort über transatlantische Telefon-Leitungen nach London übertragen wurden. Dort zeichnete man sie erneut auf und sendete sie anschließend nach Deutschland. Trotz der verschachtelten Übertragung und eingeschränkter Tonqualität erreichten die Sendungen ein beachtliches Publikum: Nach Beobachtungen der BBC hörten zwischen drei und vier Millionen Menschen im Deutschen Reich die Radioansprachen. Die insgesamt 59 Ansprachen waren politische Interventionen, die sich offen gegen das NS-Regime richteten. Sie verbanden Nachrichten, moralische Appelle und scharfe Kritik an den Nationalsozialisten. Mann benutzte eine bewusst direkte, bisweilen harte Sprache, die sich deutlich von seinem literarischen Stil unterschied. Die Forschung hat diese Texte lange unterschätzt, da sie nicht in Manns literarisch-ästhetischen Kanon passten; erst in jüngerer Zeit werden sie als wichtige politisch-literarische Dokumente gewürdigt. Inhaltlich decken die Reden ein breites Spektrum ab. Beispielhaft wird der Vortrag auf Thomas Manns erstaunlich präzise Darstellung der Judenverfolgung und des Massenmords in Osteuropa eingehen und auf die Reden über den Luftkrieg. In allen Reden verurteilt Thomas Mann die Verbrechen des NS-Staates und ruft die Deutschen eindringlich dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und sich von der Diktatur zu lösen. Stets positionierte er seine ruhige, argumentierende Sprechweise als Gegenbild zu Hitlers aggressiver Propaganda. Die letzte Ansprache von 1945 blickt auf den Kampf gegen den Nationalsozialismus zurück, den Mann als moralische Verpflichtung verstand. Der Vortrag betont, dass Thomas Mann der einzige deutsche Schriftsteller von internationalem Rang war, der während des Krieges kontinuierlich und öffentlich gegen das NS-Regime auftrat – eine politische und moralische Ausnahmegestalt des Exils.