Eröffnung am Donnerstag, 13. August 2026, 19 Uhr
Dauer der Sonderausstellung: 13. August bis 15. November 2026

Bild von Perli Pelzig, Privatbesitz
Der israelische Künstler Perli Pelzig (1917-2009) lebte und arbeitete zwei Jahre lang in
Rotenburg (Wümme), nachdem er ein internationales Stipendium der Stiftung Worpswede
wahrgenommen hatte. Höhepunkt war die Ausstellung „Vom Himmel zurück zur Erde“ im
Rotenburger Rathaus im Februar 1996. Gezeigt wurden zum Teil großflächige Bilder zu den
Themen Weltraum, Pferde und Torso. Kunstwerke von Perli Pelzig werden bis heute im
internationalen Kunsthandel angeboten.
Perli Pelzig, am 8. Mai 1917 in Rymanow/Polen geboren, in Hannover aufgewachsen, wurde
er im Oktober 1938 in der „Polenaktion“ der Nationalsozialisten zusammen mit seinen Eltern
an die Grenze zwischen Deutschland und Polen deportiert, wo er sechs Monate lang ausharren
musste. Er konnte 1939 fliehen und auf einem „illegalen” Schiff nach Palästina auswandern.
Er lebte in Israel, in den USA und vom 8. November 1994 bis zum 31. August 1996 in der
Hoffeldstraße 4 in Rotenburg, danach drei Jahre in den USA und kehrte dann nach Israel
zurück, nach Jerusalem, wo sein Sohn Arik Pelzig wohnt.
Anlass für die Sonderausstellung ist eine Schenkung von Anja Skopnick, die der Cohn-
Scheune drei Bilder von Perli Pelzig vermachte und den Kontakt zu Reinhard Lüdemann
herstellte. In Zusammenarbeit mit ihm ist die jetzige Ausstellung entstanden, die einige
Gemälde und Skulpturen zeigt, die in der Region verblieben sind und nun einen kleinen
Einblick in seine Arbeit geben können. Es handelt sich überwiegend um Leihgaben aus
Privatbesitz. Außerdem liegen ein von Reinhard Lüdemann zusammengestellter Katalog mit
Fotos einiger Kunstwerke Perli Pelzigs vor und ein Tondokument mit einem von Radio
Bremen geführten Interview mit Perli Pelzig.
In Rotenburg entstanden zwei wichtige Entwürfe:
In Zusammenarbeit mit dem Architekten Jürgen Lohmann nahm er im Frühjahr 1995 an dem
künstlerischen Wettbewerb der Berliner Senatsverwaltung für das geplante „Denkmal für die
ermordeten Juden Europas“ teil. Der Entwurf zeigt einen überdimensionalen Bahnsteig. Ein
Teil des Bahnsteigs geht linear geradeaus, die Menschen, die dort zu sehen sind, sind in braun
gehalten und zu erkennen: Kleidung, Koffer, Mütze oder Kopftuch etc. Ein Teil des
Bahnsteigs geht schräg nach unten (ins Erdreich). Die Menschen auf diesem Bahnsteig haben
keine Sachen bei sich, nichts ist zu erkennen, sie sind durchsichtig, nur eine Silhouette (aus
Plexiglas) und namenlos. Dieser Entwurf und die bei dem damaligen Oberbürgermeister
Schmalstieg in Hannover eingereichte Arbeit für die Expo 2000 sind leider nicht erhalten
geblieben. Der vorläufige Arbeitstitel des zweiten Entwurfs war „Musik verbindet – der
Himmel hängt voller Geigen“. Seine Idee: Fahnenmasten mit den Flaggen aller Nationen
sollten einen Weg auf dem Expo-Gelände links und rechts einfassen. Alle Fahnenmasten
waren im oberen Bereich mit Schnüren miteinander verbunden und an diesen Schnüren waren
Noten, Notenschlüssel und Geigen befestigt, als Zeichen, dass die Musik uns alle verbindet.


