„Liebe Frau Georg Munk“ – Die Schriftstellerin Paula Buber (1877 – 1958) im Spannungsfeld von Anonymität und Berühmtheit

Di 23. Oktober 2018 – 19 Uhr in der Cohn-Scheune:  Vortrag von Katharina Baur, M.A.: Die Schriftstellerin Paula Buber im Spannungsfeld von Anonymität und Berühmtheit

Seit 1907 mit dem Religionsphilosophen Martin Buber verheiratet, stand Paula Buber bislang im Schatten ihres berühmten Ehemanns. Als Paula Winkler in München geboren, hatte sie sich früh von ihrem katholischen Elternhaus gelöst und dem Judentum zugewandt. 1901 bekannte sie sich als „Philozionistin“. In enger Werkgemeinschaft mit Martin Buber verbunden, veröffentlichte sie ihre literarischen Werke gleichwohl eigenständig unter dem Pseudonym Georg Munk.

Aber als Autorin wurde Paula Buber, Frau des berühmten jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, bisher kaum wahrgenommen. Lediglich ihr Roman Muckensturm erreichte eine gewisse Bekanntheit. Als groß angelegter Zeitroman schildert er die Anfänge des Nationalsozialismus in einer deutschen Kleinstadt; Paula Buber verfasste ihn in den ersten Jahren des Exils 1938-40, in das sie mit ihrer Familie 1938 geflohen war. Erst 1953 wurde er unter dem Pseudonym Georg Munk veröffentlicht. Darüber hinaus stammt eine Reihe on überwiegend phantastischen Erzählungen und Romanen aus der Feder Paula Bubers.

Die Referentin Katharina Baur (M.A.) absolvierte ein Bachelor- und Masterstudium der Kunst- und Kulturgeschichte und Germanistik an der Universität Augsburg. Seit 2014 ist sieLehrbeauftragte an der Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft bei Prof. Dr. Bettina Bannasch und seit 2016 Stipendiation der Promotionsförderung des Cusanuswerks. Ihre  Forschungsschwerpunkte sind Deutsch-Jüdische Literatur, Literatur des 20. Jahrhunderts (v.a. phantastische Literatur, Magischer Realismus), Emanzipationsdiskurse, Religiöse Erneuerungsbewegungen im 20. Jahrhundert (v.a. Renouveau catholique) und die Verschränkung von religiöser und phantastischer Literatur. Ihre Masterarbeit schrieb sie über „Komik in der deutsch-jüdischen Gegenwartsliteratur am Beispiel Doron Rabinovicis“. Sie nahm an interdisziplinären und internationalen Projekten teil, ob mit der Hebrew University of Jerusalem (Israel), Indiana University Bloomington (USA) oder der University of Czernivtsi (Ukraine). Ihr Dissertationsprojekt mit dem Thema „Das Kunstwerk Leben zu gestalten. Das Werk Paula Bubers im Spannungsfeld literarischer und religiöser Erneuerungsbewegungen“ schreibt sie an der Universität Augsburg bei Prof. Dr. Bettina Bannasch und Dr. Mirjam Zadoff. Für das Dissertationsprojekt sichtet sie bisher nicht zugänglich biographischem Material zu Paula und Martin Buber, wie etwa Briefe an und von Zeitgenossen wie Hermann Hesse, Erika Mann, Samuel Josef Agnon etc. Das Material wird durch die Arbeit somit zum ersten Mal wissenschaftlich gesichtet und ausgewertet.

[Foto 1: Paula Buber ©Nachlass/Tamar Goldschmidt; Foto 2: Katharina Baur ©Margaretha Pawlischek]

In der Rotenburger Kreisseitung erschien am 25.10.2018 der folgende Artikel.: https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/eine-frau-starkem-willen-10359838.html

Integration steht im Mittelpunkt

Mitglieder des Museumsverbandes im Landkreis Rotenburg trafen sich am 18.10.2018 in der Cohn-Scheune

Dazu erschien am 23.10.2018 der folgende Bericht in der Rotenburger Kreiszeitung:

Alice Salomon – ein Porträt

Di 25. September 2018 – 19 Uhr: Vortrag von Dr. Ariane Feustel (Berlin):  Emanzipation, soziale Verantwortung und deren Destruktion durch den Nationalsozialismus – Alice Salomon (1872 -1948)

125 Jahre ist es her, dass die ersten Bausteine für eine moderne professionelle Soziale Arbeit gelegt wurden. Es waren vor allem Frauen, junge Frauen aus bürgerlichen, häufig jüdischen Elternhäusern, die sich auf den Weg machten, der sozialen Not zu begegnen.

 

Eine von ihnen war Alice Salomon (1872 in Berlin geboren und 1948 im Exil  in  New York gestorben), die im sozialen Engagement ihre Lebensaufgabe fand und der sozialen Arbeit emanzipatorische, gesellschaftspolitische Ziele und professionelle Maßstäbe setzte. Diese wurden von den Nationalsozialisten zerstört und in ihr Gegenteil verkehrt, sie selbst wurde verfolgt, ins Exil vertrieben und all ihrer Rechte beraubt.

 

 

 

Der Vortrag portraitiert Alice Salomon, eine der international renommierten, herausragenden deutschen   Sozialreformerinnen und Feministinnen des 20. Jahrhunderts,  als eine Protagonistin der Moderne und   Vordenkerin einer sozialen Gesellschaft. Er zeichnet ihre Verfolgung und Entrechtung durch die Nationalsozialisten und ihr schwieriges Leben im U.S.- amerikanischen Exil nach.

 

 

(1.+2. Foto: Alice Salomon Archiv der Alice Salomon Hochschule Berlin; 3. Foto: privat)

 

Dr. phil. Adriane Feustel, Historikerin, Gründerin und bis März 2013 Leiterin des Alice Salomon Archivs  der Alice Salomon Hochschule Berlin. Sie hat schwerpunktmäßig im Bereich der Sozial- und Frauen geschichte des19. und 20. Jahrhunderts geforscht, besonders  zu Fragen der Sozialen Reform und zu Leben und Werk Alice Salomons. Sie ist Herausgeberin einer umfangreichen Neuauflage der Schriften Alice Salomons (1998-2004) die sie u.a. in der Monographie „Das Konzept des Sozialen im Werk Alice Salomons“ (2011) analysiert und interpretiert hat. Sie ist langjähriges Mitglied der Gesellschaft für Exilforschung und der Arbeitsgemeinschaft „Frauen im Exil“.

 

Für die Schüler und Schülerinnen der Ev. Fachschule für Sozialpädagogik Rotenburg findet am Vormittag von 8:45 – 11:15 Uhr ein Seminar mit Dr. Feustel und Pastorin Sabine Sievers statt zum Tema „Was fange ich nach der Schule an? – Helfen und soziale Arbeit als Lebensperspektive – Alice Salomons Weg in die soziale Arbeit“.

In der Rotenburger Kreiszeitung erschien am 27.09.2018 dieser Bericht